Unfälle vermeiden – Seilkommandos beim Klettern

Beim Klettern am Fels ist die Kommunikation extrem wichtig. Immer wieder passieren Unfälle, weil die Kommunikation zwischen Kletterer und Sicherndem zu Missverständnissen geführt hat.

Wenn du am Fels kletterst, dann ist es immens wichtig, dass Kletterer und Sichernder sich über die Kommandos einig sind. Während in der Halle eigentlich nur das Kommando “zu” zum Einsatz kommt, werden am Fels mehr Kommandos gebraucht. Gerade letzte Woche ist aufgrund eine Kommunikationsfehlers ein junger Kletterer (31) schwer verletzt worden. Hier gibt es den Artikel.

Ein 31-jähriger Kletterer ist am Freitagnachmittag am Peilstein (Bezirk Baden) rund 30 Meter in die Tiefe gestürzt und schwer verletzt worden. Unfallursache dürfte ein Kommunikationsfehler zwischen dem Mann und seinem 46-jährigen Kameraden gewesen sein. Der Verletzte wurde mit einem Schädel-Hirn-Trauma, einer Platzwunde am Kopf und einem Oberschenkelhalsbruch ins Landesklinikum Mödling geflogen.

Um solche Fehler zu vermeiden habe ich mal die wichtigsten Kommandos zusammengfasst.

Welche Seilkommandos gibt es und was bedeuten sie?

Zu

Dieses Kommando ist eigentlich jedem Kletterer bekannt und wird in der Regel nicht missverstanden. Der Sichernde soll das Seil straff anziehen, damit der Kletterer sich reinsetzen kann. Einen Fehler kann man dabei nicht wirklich machen, es sei denn der Vorsteiger ist über der letzten Zwischensicherung und der Sichernde zieht den Kletterer aus der Wand. Wenn in dieser Situation das Kommando “zu” gegeben wird solltest du als Sichernder das Seil einfach nicht ganz straff anziehen.

Stand

Dieses Kommando kann zu schweren bis sogar  tödlichen Unfällen führen, wenn es falsch angewendet wird. Das Kommando gibt der Kletterer dann, wenn er sich selbst gesichert hat. Am Besten ist er bereits redundant gesichert. Für den Sichernden bedeutet dieses Kommando, dass er den Kletterer aus der Sicherung nehmen soll. Bei Anfängern, aber auch fortgeschrittenen Kletterern hört man das Kommando “Stand” öfters, sie meinen aber eigentlich “zu”. Nimmt der Sichernde einen dann aus der Sicherung, bedeutet das in der Regel einen Sturz zum Boden. Hier solltest du im Zweifel unbedingt nachgefragen.

Update:

Der Leser Bernhard hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, dass man vor dem Klettern absprechen sollte, ob das Standkommando bedeutet, dass umgebaut wird, oder ob man sich anschliessend selbst abseilen möchte. Ansonsten kann es passieren, dass man nach einem Umbau (Fädeln) oben lange warten muss. Wenn man sich nicht hören kann wird die Kommunikation ohne Absprache schwierig.

Seil ein / Seil aus

Diese Kommandos werden in Mehrseillängen, oder wenn der Kletterer von oben nachsichern möchte benutzt. Das Kommando “Seil ein” gibt der Untere, wenn der vorsteigende Kletterer “Stand” gemacht hat und aus der Sicherung genommen wurde. Für den Oberen bedeutet das das Seil einzuholen, bis von unten “Seil aus” kommt. Spätestens dann bindet sich der Nachsteiger ein, wenn es nicht schon vorher passiert ist.

Kommen / Ich komme

Nach “Seil aus” kommt von oben das Kommando “kommen”, was dem Nachsteiger signalisiert, dass die Sicherung von oben bereit ist. Ist auch der Nachsteiger bereit, kommt von ihm das Kommando “ich komme”. Für den oberen Sicherer bedeutet das, dass er jetzt Seil immer wieder einholen muss bis der Kletterer bei ihm im Stand ankommt.

Missverständnisse mit anderen Seilschaften vermeiden.

Namen benutzen

Wenn am Fels mehrere Seilschaften unterwegs sind, solltest du zu den Kommandos auch den Namen deines Kletterpartners hinzufügen um Missverständnisse zu vermeiden. Gerade bei “Stand” musst du dir absolut sicher sein, dass dieses Kommando vom eigenen Partner kommt und nicht von der Nachbarseilschaft.

Im Zweifel nachfragen

Wenn du dir nicht hundertprozentig sicher bist, ob der eigene Partner ein Kommando gegeben hat, solltest du immer nachfragen. Auch hier am Besten mit Namen des Partners, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.

Was soll man tun, wenn man sich nicht hört?

Kommandos über das Seil geben

Wenn es sehr windig ist, oder die Route ums Eck geht, kann es passieren, dass man seinen Partner überhaupt nicht mehr hört. Hier ist es sinnvoll, wenn du mit deinem Partner Kommandos ausmachst, die über das Seil gegeben werden. z.B. könnt ihr sagen, dass drei Mal Seil holen und wieder fallen lassen “Stand” bedeutet. Dabei solltest du dir im Klaren sein, dass genug Seil gezogen werden muss, damit es auch als eindeutiges Kommando erkennbar ist. Du solltest also mindestens 2 Meter Seil ziehen.

Habe ich wichtige Kommandos vergessen? Welche non-verbalen Kommandos verwendet ihr?

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Kategorie: Klettern

Kommentare (4)

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  1. Bernhard sagt:

    Zum Thema “Stand” noch eine Anmerkung: vorher sollte man unbedingt ausmachen, ob man abseilen möchte, oder umbauen und dann abgelassen werden möchte!
    Ansonsten kann es sein, dass der Partner unten denkt, man seilt ab und Kaffee trinken geht, während man von oben “Nimm mich wieder rein” brüllt ;-)
    Nee, jetzt mal ernst: wenn nur Zwecks Routenabbau beispielsweise ein Bühler gefädelt wird und man hinterher abgelassen werden will, sollte man das unbedingt vorher deutlich absprechen, ansonsten kann man oben lange warten, bis der Kletterpartner einen wieder reinnimmt (oder es bricht beim Partner hektische Betriebsamkeit aus, weil er Dich wieder reinnehmen muss).

    Ich seile prinzipiell lieber selber ab, weil es mir Spass macht und besser fürs Seil ist. Wenn abgelassen werden soll, sollte der Sicherer nur massig Seil ausgeben und den Partner nicht aus der Sicherung nehmen, damit man zumindest an einem Ende den Partnercheck nicht aufhebt.

    • Chris sagt:

      Umbauen vs. Abseilen ist ein guter Punkt. Das werde ich noch mit aufnehmen. Danke

    • Bene sagt:

      Hey Chris, coole Seite. :)

      Möchte da kurz anmerken:

      Mir wurde in der Trainerausbildung des DAV eingeschärft, dass das Kommando ‘Stand’ außer in Mehrsseillängentouren, in denen ich erwarte, dass mein Seilpartner nachsteigt, überhaupt nicht verwendet werden sollte – also auch nicht, wenn man abseilen oder umbauen und abgelassen werden möchte. Hierbei soll man stattdessen lediglich die Kommandos ‘Seil’, ‘Zu’ und ‘Ab’ verwenden, zusammen mit dem Namen des Sichernden, falls viele Seilschaften in Hörweite sind. Klare Absprachen vor dem Einsteigen in die Route werden natürlich dennoch empfohlen.

      (Zum Nachlesen: DAV Ausbilderhandbuch Abschnitt 4.3.2, falls das wer bei sich zu Hause herumliegen hat oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der…)

      Bene

      • Chris sagt:

        Hi Bene.

        Schön dass es dir gefällt. Ich wusste gar nicht das du eine Trainerausbildung hast. Dann kann ich dich ja in Zukunft fragen, wenn etwas unklar ist.

        Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Das Kommando “Stand” sollte nur dann benutzt werden, wenn man will, dass der Sichernde dich aus der Sicherung rausnimmt.
        Beim Umbauen sollte es nie benutzt werden. Das könnte sonst zu schwerwiegenden Missverständnissen führen, wenn man einmal mit einem anderen Partner klettert.
        Wenn ich mich selbst über eine Tour abseilen möchte, dann ist es das richtige Kommando, denke ich.
        Sprich: ich sichere mich selbst, fädle das Seil durch den Ring und ziehe es bis zur Mittelmarkierung durch. Dann sollte der Sichernde mich nicht mehr in der Sicherung haben.
        Ich schaue mir morgen mal das Handbuch an, wenn ich es online finde. Sonst musst du es mir mal ausleihen ;)

        Grüße,
        Chris

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