Zum ersten Mal am Fels
Viele Kletterer werden bald zum ersten Mal mit dem Felsklettern in Kontakt kommen. Was gibt es zu beachten? Was ist anders als in der Halle?
Über den Winter haben sicherlich einige mit dem Klettern angefangen und wollen in der beginnenden Felssaison jetzt auch in die Natur. Hier gibt es allerdings einiges das anders ist als in der Halle.
Respekt
In letzter Zeit ließt man öfters von (bevorstehenden) Felssperrungen, weil Kletterer ihren Müll zurücklassen. Damit sich diese Drohungen nicht bewahrheiten und nach euch auch noch andere ihren Spass am Fels haben, sollte man dringend ein paar Regeln einhalten.
Lasst keinen Müll zurück. Alles(!) was ihr zum Felsen mitbringt solltet ihr auch wieder mitnehmen. Ich habe immer eine leere Plastiktüte mit im Gepäck und schmeiße da alles rein, was über den Tag anfällt. Auch Obstreste, oder anderer Unrat, der verottet, sollte mitgenommen werden. Raucher sollten Ihre Zigarettenkippen ebenso mitnehmen.
Toilettengänge sollten in ausreichender Entfernung von den Felsen erledigt werden.
Felssperrungen z.B. wegen Vogel Brutzeiten müssen immer eingehalten werden. Infos dazu findet man im Klettertopo, oder im Internet z.B. auf den DAV Seiten.
Teilweise findet man eingehängte Seile und Exen in Projektrouten, oder neuen Routen vor. Das ist keine Einladung dazu sich günstig Material zu beschaffen. Das sollte man einfach hängen lassen.
Einen ausführlichen, ironischen Artikel zu diesem Thema habe ich gestern auf kletterszene gelesen und schon letzte Woche hat David vom kletterblog darüber geschrieben.
Am Fels wird ein bisschen mehr Ausrüstung benötigt. Neben Exen sollte man auch Bandschlingen, ein paar zusätzliche Karabiner (Schrauber und/oder HMS-Karabiner), Reepschnur und ein Abseilgerät (Achter oder Tube) dabeihaben. Ausserdem empfielt es sich für das Felsklettern in Sportkletterrouten ein Einfachseil von 70 Metern Länge zu nutzen, weil die Routen am Fels schnell mal 30 Meter oder länger werden können. Doppel- oder Zwillingsseile benötigt man nur für alpine Touren um zusätzliche Redundanz zu schaffen.
Know How
Welche Techniken, Knoten etc. Sollte man kennen/können?
Wenn man nicht gerade in einem Gebiet klettert, in dem sich die Routen von oben einhängen lassen, dann muss mindestens ein Kletterer das Vorsteigen sicher beherrschen. Am Fels sind die Hakenabstände ein bisschen weiter als in der Halle. Man sollte also vorerst Routen klettern, in denen man sich absolut sicher fühlt.
Abseilen sollte man können. Je nachdem wie die Route verläuft, kann das Ablassen seine Spuren am Mantel des Seils hinterlassen. Läuft das Seil mit viel Reibung am Fels, oder über scharfe Kanten, sollte man das Seil am Umlenker einholen und sich selbst abseilen. Das schont das Seil und somit den Geldbeutel. Manche Gebiete erreicht man auch von oben, sodass man sich das Runterlaufen sparen kann. Wenn man von oben kommt sollte man unbedingt nachschauen, ob unten nicht gerade jemand in die Tour eingestiegen ist, über die ihr Abseilen wollt. Vor dem Seilwerfen dann noch eine Warnung nach unten “Achtung Seil” (oder ähnliches).
Knoten. Neben dem Sicherungsknoten (Achter, Bulin), empfielt es sich den Mastwurf für die Selbstsicherung zu beherrschen. Alternativ kan man auch eine “Panikschlinge” verwenden. Dazu fädelt man eine Bandschlinge mit einem Mastwurf durch die Sicherungsschlaufe des Gurtes und hängt einen Karabiner ein.
Zum Teil gibt es keine Umlenker mit Karabiner am Ende einer Route. Wenn man einen Ring am Ende hat, sollte man einen Schrauber einhängen, oder das Seil fädeln. In die Bohr- oder Klebehaken, die aus einem “Blättle” bestehen (ein dickes Blech, dass geknickt und mit einem Loch versehen ist) sollte man das Seil nicht direkt durchfädeln. Das kann das Seil beschädigen. Hier sollte man immer einen Karabiner einhängen.
Knoten ins Ende vom Seil. Viele zum Teil tödliche Unfälle hätten sich dadurch vermeiden lassen, wenn man einen Knoten ins Seilende gemacht hätte. So kann das Seil, sollte es zu kurz sein nicht durch das Sicherungsgerät rutschen.
Beim ersten Mal Felsklettern ist mir ca. 50 cm neben dem Kopf ein faustdicker Stein vorbeigeflogen. Da war für mich die Entscheidung klar. Am Fels trage ich einen Helm. Neben dem Steinschlag von oben schützt er auch bei einem Sturz den Kopf vor dem direkten Felskontakt.
Ich habe immer ein Erste Hilfe Pack dabei. Neben Verbandmaterial ist auch eine Rettungsdecke darin enthalten. So kann man kleine Verletzungen gleich versorgen. Bei grösseren Verletzungen kann man zumindest ein bisschen Vorarbeit leisten.
Eine Pinzette zum Entfernen von Zecken sollte auch griffbereit sein. Auch eine FSME Impfung schützt nicht vor Borreliose (Danke für den Hinweis, Bernhard). Besser als nachträgliches Entfernen ist natürlich vor dem Biss die Zecke zu entfernen.
Am Fels sollte man immer ein Handy dabei haben. Sollte mal etwas passieren, dann kann man den Notarzt rufen.
Schluss
Jetzt reicht´s aber.
Zu dem Thema liesse sich noch einiges mehr schreiben. Wenn ihr noch Anregungen habt hinterlasst einfach einen Kommentar unter dem Artikel. Ich ergänze den Artikel dann.
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Kategorie: Klettern













Je nachdem, wo man hinfährt: Pinzette zum Zecken entfernen nicht vergessen! (Ist oft zwar im Erste-Hilfe-Set mit drin, eine mehr kann aber nicht schaden)
Hi Bernhard.
Das ist ein guter Punkt. An manchen Tagen sammelt man auf dem Weg zum/vom Felsen ordentlich Zecken ein. Mein “Rekord” lag bei über 10 auf einem Weg.
Gruss Chris
Hi,
lange Ärmel und Hosenbeine (vor allem in hohem Gras) reichen meist schon aus. Generell gilt: Lange Ärmel und Beine schützen enorm, sowohl beim Klettern als auch auf dem Weg zum Einstieg.
Stichwort: Schürfwunden durch Stürze, Verbrennungen durch Abseilunfälle und falsche Handhabung des Materials.
Geht man als “Verantwortlicher” mit Bekannten zum Klettern so empfiehlt es sich, lieber ein wenig mehr Material mitzunehmen um notfalls einen behelfsmäßigen Flaschenzug zu bauen (Auch eine Garda-Schlinge etc. ist manchmal nützlich). Ein zweiter Abseilachter ist empfehlenswert (Kara-Acht, lösbares System und solche Späße). Denn es gibt nichts Schlimmeres als “den Plan” im Kopf und das Material zu Hause zu haben! Denkt nicht an Euch sondern an eure Mitstreiter. Wenn das jeder tut sollte es keine Probleme geben. Ihr seid auch froh wenn ihr im Prusik hängt, das vertrackte Ding nicht ohne Klemme aufbekommt und euch einer hochziehen oder ablassen kann.
Schöne Kletterei! =)
Hi Patrick.
Gute Hinweise. Zusätzliches Material kann natürlich nicht schaden. Lange Kleidung ist auch kein Fehler. Und Kenntnisse für behelfsmässige Bergrettung ist spätestens im alpinen Gelände zu empfehlen.
Grüße, Chris